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August Förster und Steingraeber fragen: Sind Klaviertasten zu breit?

Beim diesjährigen Nordisk Pianotreff im schwedischen Arvika trafen sich Klaviertechniker aus ganz Skandinavien gemeinsam mit EPTA Sweden zu einer gemeinsamen Veranstaltung, die Techniker, Lehrer, Hersteller und Ausbilder in einen Dialog brachte.

Unter den Instrumenten und technischen Präsentationen stach ein Thema hervor: die Größe der Klaviatur selbst.

Sowohl August Förster als auch Steingraeber & Söhne präsentierten Instrumente, die für Pianisten mit kleineren Händen entwickelt wurden — nicht als experimentelle Kuriositäten, sondern als ernsthafte, praktische Alternativen zur Standard-Klaviatur.

August Förster: ein Klavier, zwei Tastaturgrößen

August Förster präsentierte in Arvika sein Stretto-Konzept, darunter einen Flügel mit austauschbarer Klaviatur und Mechanik.

Die Idee ist einfach, aber technisch anspruchsvoll: Dasselbe Klavier kann entweder mit einer herkömmlichen oder mit einer schmaleren Klaviatur ausgestattet werden.

Försters Stretto 6.0-Klaviatur misst etwa 15,2 cm pro Oktave, verglichen mit rund 16,5 cm bei einer Standard-Klaviatur. Eine noch schmalere 5.5-Version mit etwa 14,1 cm pro Oktave ist ebenfalls erhältlich.

Das Unternehmen bietet diese schmaleren Klaviaturen sowohl für Flügel als auch für Klaviere an; geeignete vorhandene Instrumente können ebenfalls umgerüstet werden.

Der in Arvika gezeigte Flügel mit austauschbarer Klaviatur ist besonders interessant, weil ein ähnliches Instrument im Rahmen des International Stretto Piano Festival 2026 nach New York reisen soll. Dort wird ein 7′3″ August Förster-Flügel sowohl mit einer 6.0 Stretto-Mechanik als auch mit einer konventionellen 6.5-Mechanik ausgestattet, sodass Klaviatur und Mechanik in wenigen Minuten gewechselt werden können.

Damit wird die Klaviaturgröße von einer festen Eigenschaft des Instruments zu etwas, das sich potenziell an den Pianisten anpassen lässt.
August Förster grand with Stretto keyboard
Steingraeber upright with narrow keyboard

Left: August Förster's Stretto concept. Right: Steingraeber & Söhne narrow keyboard, both presented in Arvika.

Steingraeber: ein schmaleres Klavier

Steingraeber näherte sich derselben Frage aus einer anderen Richtung. In Arvika präsentierte das Unternehmen ein Klavier mit schmaler Klaviatur und setzt damit eine Arbeit fort, die es bereits seit mehreren Jahren entwickelt.

Steingraeber bietet Alternativen zur Standard-Oktavbreite von 6,5 Zoll, darunter 6,0-Zoll- und 5,5-Zoll-Versionen. 2022–23 baute das Unternehmen ein Modell 122-Klavier mit 5.5-Klaviatur für einen Londoner Pianisten mit sehr kleinen Händen. Es hat auch bestehende Flügel auf schmalere Klaviaturformate umgerüstet.

Was Steingraebers Ansatz besonders interessant macht: Das Unternehmen behandelt die Tastenbreite nicht als isoliertes Maß. Seine Arbeit berücksichtigt auch andere ergonomische Faktoren, darunter Tastentiefgang und Hammergewicht. Der weiter gefasste Gedanke ist, dass die Klaviermechanik selbst enger an die körperlichen Bedürfnisse des Spielers angepasst werden kann.

Keine neue Idee

Das Konzept einer schmaleren Klaviatur ist nicht ganz neu. August Förster verweist auf die SIRIUS 6.0-Initiative in Stuttgart, die seit 2020 mit schmaleren Klaviaturen arbeitet. Auch Musikinstitutionen in Nürnberg, Innsbruck und München haben sich an ähnlichen Projekten beteiligt.

Laut Försters Zusammenfassung dieser Projekte empfanden Studierende mit kleinen und mittleren Händen die schmalere Klaviatur oft als angenehmer, konnten aber problemlos wieder zu einer konventionellen Klaviatur zurückkehren.

Es gibt auch eine historische Perspektive. Klaviaturen wurden nicht immer nach den heutigen Standardmaßen gebaut. Im 18. und 19. Jahrhundert waren schmalere Klaviaturen üblich, während sich die moderne Standardbreite erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts allgemein durchsetzte.

In diesem Zusammenhang geht es bei der Arbeit von Förster und Steingraeber nicht einfach darum, etwas Neues zu erfinden. Es geht auch darum, eine ältere Idee mit modernen Fertigungsmethoden, Ergonomie und Klavierpädagogik neu aufzugreifen.

Warum ist das wichtig?

Die moderne Klaviatur ist so vertraut, dass ihre Maße fast unausweichlich erscheinen. Sie sind es aber nicht.

Zwei bedeutende deutsche Klavierbauer behandeln alternative Klaviaturgrößen inzwischen als echten Bestandteil des Klavierdesigns, nicht als spezielle Einzellösung. Sie schlagen nicht vor, die Standardklaviatur abzuschaffen. Sie fragen vielmehr, ob sie die einzige Option bleiben soll.

Und das wirft eine viel größere Frage auf: Wenn Klavierbauer verschiedene Instrumentgrößen, Mechaniken, Hammergewichte und klangliche Eigenschaften anbieten können, warum sollte dann von jedem Pianisten erwartet werden, genau dieselbe Tastenbreite zu benutzen?

Was in Arvika gezeigt wurde, deutet darauf hin, dass diese Frage von der akademischen Diskussion in die praktische Klavierfertigung übergeht. Und das könnte sich als bedeutsamer erweisen, als lediglich die Tasten ein wenig schmaler zu machen.

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